Worum es in der Implantologie geht
Implantologie ist das Fachgebiet der Zahnmedizin, das verlorene Zähne durch künstliche Zahnwurzeln ersetzt, die im Kieferknochen verankert werden. Das Implantat selbst ist dabei nur ein Teil. Zur Implantologie gehört alles, was davor, dabei und danach passiert: die dreidimensionale Planung, der Aufbau von Knochen und Zahnfleisch, wenn beides nicht ausreicht, die Versorgung mit Krone, Brücke oder Prothese und die Pflege über viele Jahre.
Ein Zahnimplantat besteht meist aus Titan, einem Werkstoff mit hoher Biokompatibilität, den der Körper in aller Regel gut annimmt. Nach dem Einsetzen wächst der Knochen an die Oberfläche heran. Diesen Vorgang nennt man Osseointegration, und erst wenn er abgeschlossen ist, trägt das Implantat zuverlässig Last.
Für Sie heißt das: Eine Implantatbehandlung ist kein einzelner Termin, sondern ein Weg über mehrere Monate. Welche Stationen dieser Weg hat, hängt von Ihrem Befund ab. Manche brauchen nur Planung, Eingriff und Krone. Bei anderen steht vorher ein Knochenaufbau an.
Unsere Behandlungen in der Implantologie
3D-Diagnostik und Implantatplanung
Die digitale Volumentomographie (DVT) ist ein dreidimensionales Röntgenverfahren, das Knochenhöhe, Knochenbreite und die Lage von Nerven und Kieferhöhle sichtbar macht. Auf dieser Grundlage legen wir Position, Länge und Winkel jedes Implantats fest, bevor der Eingriff beginnt. Ob ein Knochenaufbau nötig ist, zeigt sich meist erst hier. Ausreichende Knochenhöhe und Knochenbreite sowie eine kontrollierte Mundgesundheit sind Voraussetzung für eine Implantation (Quelle: AWMF S3-Leitlinie Implantologie, DGZMK/DGI). Mehr zum 3D-Röntgen.
Zahnimplantate
Ein Zahnimplantat ersetzt die Wurzel eines verlorenen Zahns und trägt über einen Implantataufbau den sichtbaren Zahnersatz. Die Nachbarzähne müssen dafür nicht beschliffen werden, und der Knochen in der Lücke wird weiter belastet, statt sich zurückzubilden. Implantate kommen bei einer einzelnen Lücke infrage, bei mehreren fehlenden Zähnen und im zahnlosen Kiefer. Zahnimplantate weisen nach 10 Jahren Überlebensraten von rund 95 Prozent auf (Quelle: DGI). Mehr zu Zahnimplantaten.
Knochenaufbau
Ein Knochenaufbau (Augmentation) ergänzt fehlenden Kieferknochen, damit ein Implantat sicher verankert werden kann. Nach einem Zahnverlust bildet sich der Knochen an dieser Stelle zurück, je länger die Lücke besteht, desto deutlicher. Aufgebaut wird mit Knochenersatzmaterial, eigenem Knochen oder einer Kombination. Kleinere Defekte lassen sich häufig direkt beim Setzen des Implantats ausgleichen, größere brauchen einen eigenen Eingriff und einige Monate Einheilzeit. Mehr zum Knochenaufbau.
Sinuslift
Der Sinuslift ist eine spezielle Form des Knochenaufbaus im seitlichen Oberkiefer. Dort liegt direkt über den Zahnwurzeln die Kieferhöhle, und nach einem Zahnverlust bleibt oft nur eine dünne Knochenschicht stehen. Beim Sinuslift wird der Boden der Kieferhöhle angehoben und der entstandene Raum mit Knochenersatzmaterial gefüllt. Je nach verbliebener Knochenhöhe geschieht das zusammen mit der Implantation oder als eigener Schritt davor. Mehr zum Sinuslift.
Zahnfleisch am Implantat
Gesundes, ausreichend breites Zahnfleisch schützt das Implantat wie eine Manschette gegen Bakterien und entscheidet im Frontzahnbereich über das Aussehen. Ist zu wenig davon vorhanden, lässt es sich durch kleine Eingriffe am Weichgewebe verbessern, etwa durch eine Verlagerung oder Transplantation von Zahnfleisch. Diese Schritte werden oft unterschätzt. Für die Langzeitprognose eines Implantats zählen sie mit. Mehr zur Weichgewebechirurgie.
Periimplantitis-Behandlung
Periimplantitis ist eine bakterielle Entzündung von Zahnfleisch und Knochen um ein Implantat. Sie beginnt meist ohne Schmerzen, erstes Zeichen ist häufig Bluten beim Putzen. Behandelt wird je nach Stadium mit gründlicher Reinigung der Implantatoberfläche, desinfizierenden Verfahren wie der antimikrobiellen photodynamischen Therapie oder einem chirurgischen Eingriff. Je früher sie erkannt wird, desto eher lässt sich das Implantat erhalten. Eine Entzündung am Implantat sitzt man nicht aus. Mehr zur Periimplantitis-Behandlung.
Explantation
Die Explantation ist die Entfernung eines Implantats, das sich nicht mehr erhalten lässt, meist nach fortgeschrittenem Knochenverlust durch eine Entzündung. Ziel ist, dabei so wenig gesunden Knochen wie möglich zu verlieren, weil er für eine spätere Neuversorgung gebraucht wird. Häufig wird der Defekt direkt mit Knochenersatzmaterial aufgefüllt. In den meisten Fällen ist nach der Heilung ein neues Implantat möglich. Mehr zur Explantation.
Was auf den Implantaten sitzt
Implantate sind die Basis, getragen wird darauf ganz unterschiedlicher Zahnersatz. Welche Form passt, hängt von der Zahl fehlender Zähne, dem Knochenangebot und Ihren Wünschen an Komfort und Pflege ab.
| Versorgung | Typischer Einsatz | Festsitzend? |
|---|---|---|
| Einzelkrone auf einem Implantat | ein fehlender Zahn | ja |
| Brücke auf Implantaten | mehrere fehlende Zähne nebeneinander | ja |
| Prothese auf Implantaten (Steg, Druckknopf, Teleskop) | zahnloser Kiefer, wackelnde Vollprothese | herausnehmbar, aber fest eingerastet |
| Festsitzende Brücke auf mehreren Implantaten | zahnloser Kiefer mit ausreichend Knochen | ja |
Eine Prothese auf zwei bis vier Implantaten ist für viele Träger einer schlecht haltenden Vollprothese der größte Unterschied im Alltag, weil sie beim Sprechen und Kauen nicht mehr verrutscht. Mehr zu herausnehmbarem Zahnersatz finden Sie unter Prothesen, zur Neuversorgung mehrerer Bereiche unter Komplettsanierung.
Welche Behandlung für welche Situation?
Die meisten Patientinnen und Patienten kommen nicht mit einem Behandlungswunsch, sondern mit einer Ausgangslage. Die Übersicht ordnet typische Situationen zu. Die endgültige Entscheidung fällt nach Untersuchung und 3D-Aufnahme.
| Ihre Situation | Was meist infrage kommt | Besonderheit |
|---|---|---|
| Ein einzelner Zahn fehlt | Einzelimplantat mit Krone, alternativ Brücke | Nachbarzähne bleiben beim Implantat unberührt |
| Zahn fehlt seit Jahren, Kiefer ist schmal geworden | Knochenaufbau, danach Implantat | verlängert die Behandlung um einige Monate |
| Lücke im seitlichen Oberkiefer, wenig Knochen | Sinuslift mit oder vor der Implantation | Kieferhöhle wird angehoben |
| Vollprothese hält schlecht | Prothese auf 2-4 Implantaten | herausnehmbar, rastet aber fest ein |
| Implantat blutet oder ist geschwollen | Periimplantitis-Behandlung | früh behandelt meist gut erhaltbar |
| Implantat wackelt oder Knochen ist stark abgebaut | Explantation, ggf. mit Knochenaufbau | Neuversorgung nach der Heilung meist möglich |
Nicht jede Lücke braucht ein Implantat. Bei bereits überkronten Nachbarzähnen kann eine Brücke die einfachere Lösung sein. Wann eine Krone den eigenen Zahn noch retten kann, beschreibt unser Beitrag Krone oder Implantat?
Wer kommt für eine Implantologie-Behandlung infrage?
Ein Implantat ist für die meisten Erwachsenen mit fehlenden Zähnen eine Option, sofern das Kieferwachstum abgeschlossen ist. Ein höheres Alter allein spricht nicht dagegen. Entscheidend ist der Befund.
Genauer hinsehen müssen wir bei starkem Rauchen, einer unbehandelten Parodontitis, einem schlecht eingestellten Diabetes und bei bestimmten Medikamenten, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen. Keiner dieser Punkte schließt ein Implantat automatisch aus. Sie verändern aber die Planung, manchmal auch die Prognose, und das gehört vor der Entscheidung auf den Tisch. Eine Parodontitis an den eigenen Zähnen behandeln wir vor der Implantation, weil die verantwortlichen Bakterien sonst auch das Implantat gefährden können.
Wie gut ein Kiefer einheilt, lässt sich im Voraus nicht exakt vorhersagen. Wir sagen Ihnen, was die Aufnahmen hergeben, und wo die Prognose unsicher ist.
Chirurgie und Zahnersatz unter einem Dach
In vielen Fällen sind an einer Implantation zwei Praxen beteiligt: eine setzt das Implantat, die andere fertigt die Krone. Bei uns bleibt beides in einem Haus. Dr. Ulrich Jacob, Fachzahnarzt für Oralchirurgie, übernimmt die chirurgischen Schritte, also Implantation, Knochenaufbau und Sinuslift. Norman Jacob, Zahnarzt für Ästhetische Zahnmedizin und Implantologie, plant die Versorgung und fertigt den Zahnersatz. Den Fall stimmen beide gemeinsam ab, bevor der Eingriff beginnt.
Für Sie bedeutet das eine Planung, in der Implantatposition und spätere Krone von Anfang an zusammenpassen, und einen festen Ansprechpartner über die ganze Behandlung. Wer vor dem Eingriff starke Anspannung spürt, kann ihn auf Wunsch im Dämmerschlaf erleben. Mehr dazu auf unserer Seite für Angstpatienten.
Sie überlegen, eine Zahnlücke dauerhaft zu schließen? Lassen Sie in einem Beratungstermin in Berlin-Spandau klären, welcher Weg für Sie passt - mit oder ohne Implantat.
Kosten und Ablauf einer Implantatbehandlung
Die Kosten einer Implantologie-Behandlung richten sich nach der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) und hängen vom Befund ab: Zahl der Implantate, Knochenangebot, Art des Zahnersatzes. Vor jeder Behandlung erhalten Sie einen individuellen Heil- und Kostenplan. Gesetzliche Kassen übernehmen das Implantat selbst in der Regel nicht, beteiligen sich aber mit einem befundbezogenen Festzuschuss am Zahnersatz darauf: 60 Prozent der Regelversorgung, mit lückenlosem Bonusheft bis zu 75 Prozent (Quelle: GKV-Spitzenverband / G-BA). Welche Posten in den Preis einfließen, erklärt der Beitrag Was kostet ein Zahnimplantat?
So verläuft eine Behandlung im Überblick:
- Beratung und Befund. Wir sehen uns Lücke, Zahnfleisch und Nachbarzähne an und besprechen Ihre Möglichkeiten, auch die ohne Implantat.
- 3D-Diagnostik und Planung. Die DVT-Aufnahme zeigt, ob der Knochen reicht. Danach steht der Heil- und Kostenplan.
- Vorbereitung bei Bedarf. Parodontitis-Behandlung, Knochenaufbau oder Sinuslift, falls der Befund das erfordert.
- Implantation. In örtlicher Betäubung, auf Wunsch im Dämmerschlaf. Ein einzelnes Implantat dauert meist weniger als eine Stunde.
- Einheilzeit. Das Implantat verwächst über mehrere Monate mit dem Knochen. Für sichtbare Lücken gibt es ein Provisorium.
- Zahnersatz. Implantataufbau und Krone, Brücke oder Prothese werden eingesetzt.
- Nachsorge. Regelmäßige Kontrollen und professionelle Reinigung am Implantat.
Den genauen Ablauf beim Einzelimplantat beschreibt die Seite Zahnimplantate.
Mehr zur Implantologie im Wissensbereich
- Was kostet ein Zahnimplantat? - Kostenbestandteile, Festzuschuss, Bonusheft
- Krone oder Implantat? - wann der eigene Zahn noch zu retten ist
- Periimplantitis: Symptome erkennen - Warnzeichen am Implantat
- Implantat entfernen - Gründe, Ablauf und Neuversorgung

