Wissenswert · Implantologie
Implantat entfernen: Gründe, Ablauf und was danach kommt
Ein Implantat zu entfernen, die sogenannte Explantation, ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem eine künstliche Zahnwurzel samt Krone aus dem Kieferknochen gelöst wird. Notwendig wird das meist dann, wenn eine Entzündung den Knochen um das Implantat so weit abgebaut hat, dass es sich nicht mehr erhalten lässt. Die Nachricht trifft Betroffene oft unvorbereitet. Sie bedeutet aber nicht, dass an dieser Stelle nie wieder ein fester Zahn stehen kann.

Auf einen Blick
- Häufigster Grund für eine Explantation ist eine fortgeschrittene Periimplantitis mit deutlichem Knochenverlust.
- Lockere Implantate lassen sich meist schonend herausdrehen, fest verankerte erfordern einen aufwendigeren Eingriff.
- Der Eingriff erfolgt in örtlicher Betäubung und dauert je nach Methode meist zwischen einer halben und einer Stunde.
- Nach der Entfernung braucht der Knochen in der Regel einige Monate Heilung, bevor neu implantiert werden kann.
- Ein Knochenaufbau direkt bei der Entfernung kann die Ausgangslage für ein neues Implantat verbessern.
Was bedeutet Explantation?
Explantation ist der Fachbegriff für das Entfernen eines Zahnimplantats aus dem Kiefer. Das Gegenstück, die Implantation, setzt darauf, dass Knochen und Titanoberfläche fest miteinander verwachsen. Diese Verbindung (Osseointegration) ist das, was ein Implantat so stabil macht. Und genau sie muss bei einer Explantation wieder gelöst werden.
Entscheidend für den Eingriff ist daher, wie viel Verbindung noch besteht. Ein Implantat, das bereits wackelt, hat diese Verbindung weitgehend verloren und lässt sich oft mit wenig Aufwand entnehmen. Sitzt es dagegen über weite Strecken noch fest im Knochen, wird es anspruchsvoller. Das Ziel ist dann, das Implantat zu lösen und dabei so wenig gesunden Knochen wie möglich zu opfern, weil dieser Knochen später gebraucht wird.
Wann muss ein Implantat entfernt werden?
Ein Implantat wird entfernt, wenn es sich nicht mehr erhalten lässt oder wenn es mehr Schaden anrichtet, als es nützt. Die Entscheidung fällt nie leichtfertig. In den meisten Fällen steht vorher ein Behandlungsversuch.
Die häufigsten Gründe, die wir in der Praxis sehen:
- Fortgeschrittene Periimplantitis. Eine bakterielle Entzündung hat so viel Knochen abgebaut, dass das Implantat keinen tragfähigen Halt mehr hat oder die Entzündung trotz Therapie nicht zur Ruhe kommt. Wie sich das ankündigt, beschreibt der Beitrag zu den Symptomen einer Periimplantitis.
- Fehlende Einheilung. Gelegentlich verwächst ein Implantat in den ersten Wochen nicht mit dem Knochen und bleibt beweglich. Dann wird es entfernt und nach einer Heilphase meist neu gesetzt.
- Bruch des Implantats. Selten, aber möglich, etwa nach jahrelanger Überlastung durch Pressen und Knirschen.
- Ungünstige Position. Ein Implantat in einer Lage, die keine funktionierende oder ästhetisch vertretbare Krone erlaubt, kann ein Grund sein, neu zu beginnen.
- Nervreizung. Anhaltende Taubheit oder Schmerzen durch Nähe zum Unterkiefernerv erfordern eine zügige Abklärung und unter Umständen die Entfernung.
Eine Entzündung am Implantat wartet man nicht aus. Je früher sie behandelt wird, desto eher lässt sich das Implantat erhalten. Wer ein Bluten oder Eiter am Implantat monatelang ignoriert, nimmt sich genau diese Chance.
Muss ein entzündetes Implantat immer raus?
Nein, nicht zwangsläufig. Ob sich ein Implantat retten lässt, hängt vor allem davon ab, wie viel Knochen bereits verloren ist und ob sich die Oberfläche noch zuverlässig reinigen lässt. Bei beginnendem Knochenabbau kommen zunächst gründliche Reinigung, desinfizierende Verfahren wie die antimikrobielle photodynamische Therapie und bei Bedarf ein chirurgischer Eingriff zur Säuberung und Glättung der Oberfläche infrage.
Hält das Implantat dagegen nur noch auf einem kleinen Rest Knochen, verschiebt sich die Abwägung. Ein schwer entzündetes Implantat zu behalten, kann weiteren Knochen kosten und eine spätere Neuversorgung erschweren. Die ehrliche Antwort ist an dieser Stelle oft: Eine Garantie, dass die Therapie greift, gibt es nicht. Wir besprechen dann offen, wie realistisch der Erhalt ist und was ein Versuch kostet, auch an Zeit.
So läuft die Entfernung eines Implantats ab
- Befund und 3D-Diagnostik. Röntgenbild oder DVT zeigen, wie viel Knochen das Implantat noch umgibt und wo Nerven und Kieferhöhle liegen. Danach richtet sich die Methode.
- Aufklärung und Planung. Wir besprechen, ob in derselben Sitzung Knochenersatzmaterial eingebracht wird und wie die Zeit ohne Zahn überbrückt werden kann.
- Örtliche Betäubung. Der Eingriff findet in Lokalanästhesie statt. Für sehr ängstliche Patientinnen und Patienten lässt sich das mit einer Sedierung kombinieren.
- Entfernung des Implantats. Lockere Implantate werden herausgedreht. Bei festem Sitz kommen spezielle Ausdrehinstrumente zum Einsatz, die das Implantat gegen den Uhrzeigersinn lösen. Gelingt das nicht, wird der Knochen direkt um das Implantat mit feinen Instrumenten freigelegt.
- Reinigung und Wundversorgung. Entzündetes Gewebe wird entfernt, die Wunde gereinigt und vernäht. Wenn geplant, wird der Defekt direkt mit Knochenersatzmaterial aufgefüllt.
- Heilung und Nachkontrolle. Die Fäden kommen nach rund 7-10 Tagen heraus. Danach folgen Kontrollen, bis der Knochen ausgeheilt ist.
Tut die Entfernung eines Implantats weh?
Während des Eingriffs spüren Sie durch die örtliche Betäubung keinen Schmerz, wohl aber Druck und Vibration. Danach ist ein Wundschmerz normal, ähnlich wie nach dem Ziehen eines Zahns. Am stärksten ist er meist in den ersten 2-3 Tagen, eine Schwellung erreicht oft am zweiten Tag ihren Höhepunkt und klingt dann ab.
Wie viel jemand spürt, hängt stark von der Methode ab. Ein lockeres Implantat herauszudrehen, ist für die meisten ein kleiner Eingriff. Musste Knochen freigelegt werden, dauert die Erholung länger. Kühlen, weiche Kost und die verordneten Schmerzmittel reichen in der Regel aus. Nehmen Schmerzen nach dem dritten Tag wieder zu, sollten Sie sich melden.
Welche Möglichkeiten gibt es nach der Entfernung?
Nach einer Explantation ist eine neue Implantation in den meisten Fällen möglich. Ob und wann, entscheidet das Knochenangebot nach der Heilung.
| Weg | Was passiert | Zeitrahmen | Geeignet, wenn |
|---|---|---|---|
| Implantat behandeln statt entfernen | Reinigung, Desinfektion, ggf. chirurgische Therapie | mehrere Wochen bis Monate | noch ausreichend Knochen vorhanden ist |
| Entfernen und später neu implantieren | Heilung, ggf. Knochenaufbau, dann neues Implantat | meist 3-6 Monate bis zur Neuimplantation, danach Einheilzeit | der Kiefer sich ausreichend regeneriert |
| Entfernen mit sofortigem Knochenaufbau | Defekt wird direkt beim Eingriff aufgefüllt | Einheilzeit des Knochens, dann neues Implantat | ein größerer Knochendefekt entstanden ist |
| Entfernen und auf Brücke oder Prothese wechseln | Lücke wird ohne Implantat versorgt | wenige Wochen nach der Heilung | ein neues Implantat nicht gewünscht oder nicht möglich ist |
Beim Neustart prüfen wir auch die Ursache. Ein zweites Implantat in einem Mund, in dem die Entzündung nicht unter Kontrolle ist, hat schlechtere Aussichten. Deshalb gehören eine stabile Mundhygiene und gegebenenfalls eine Parodontitis-Behandlung vor die Neuplanung. Mehr zum Aufbau finden Sie unter Knochenaufbau.
Ein Implantat, das wackelt, blutet oder schmerzt, gehört zeitnah untersucht. Lassen Sie uns gemeinsam klären, ob es sich erhalten lässt oder ein Neustart sinnvoller ist.
Was kostet es, ein Implantat zu entfernen?
Die Kosten einer Explantation richten sich nach der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) und hängen vor allem von der Methode ab. Ein lockeres Implantat herauszudrehen, ist deutlich weniger aufwendig als die Entfernung eines fest verwachsenen Implantats mit Freilegen des Knochens. Ein Knochenaufbau in derselben Sitzung kommt als eigene Position hinzu.
Gesetzliche Krankenkassen beteiligen sich an Implantat-Leistungen in der Regel nicht, das gilt meist auch für die Entfernung. Ausnahmen sind möglich und sollten vorab mit der Kasse geklärt werden. Wurde das Implantat erst kürzlich gesetzt und ist nicht eingeheilt, lohnt die Frage, wie die behandelnde Praxis mit solchen Frühverlusten umgeht. Einen Überblick über die Kosten einer Neuversorgung gibt der Beitrag Was kostet ein Zahnimplantat?
Häufige Fragen zur Entfernung eines Implantats
Kann man nach einer Explantation wieder ein Implantat bekommen?
In den meisten Fällen ja. Voraussetzung ist, dass der Knochen nach der Heilung ausreicht oder sich aufbauen lässt und die Ursache des Verlusts, etwa eine Entzündung, unter Kontrolle ist. Meist liegen zwischen Entfernung und neuer Implantation einige Monate.
Wie lange dauert der Eingriff?
Ein lockeres Implantat ist oft in wenigen Minuten entfernt. Bei fest sitzenden Implantaten oder zusätzlichem Knochenaufbau dauert der Eingriff meist zwischen einer halben und einer Stunde.
Wie lange bin ich nach der Entfernung krankgeschrieben?
Nach einem kleinen Eingriff sind viele schon am nächsten Tag wieder arbeitsfähig. Nach aufwendigeren Entfernungen mit Knochenfreilegung sind 2-3 Tage Schonung sinnvoll, abhängig von Beruf und Heilungsverlauf.
Was passiert mit der Lücke während der Heilung?
Die Lücke lässt sich mit einem herausnehmbaren oder festsitzenden Provisorium überbrücken. Im sichtbaren Bereich ist das in der Regel gut lösbar, die Planung dazu erfolgt vor dem Eingriff.
Zahlt die Krankenkasse die Entfernung eines Implantats?
Gesetzliche Kassen übernehmen Implantat-Leistungen in der Regel nicht, das betrifft meist auch die Entfernung. Abgerechnet wird nach GOZ. Ob im Einzelfall eine Beteiligung möglich ist, sollte vor dem Eingriff mit der Kasse geklärt werden.
Kann ein Implantat von selbst herausfallen?
Ein Implantat, das seinen Knochenhalt fast vollständig verloren hat, kann sich lockern und im Extremfall herausfallen. So weit sollte es nicht kommen. Ein wackelndes Implantat gehört zeitnah untersucht.
Wenn Sie unsicher sind
Ein Implantat, das blutet, sich lockert oder schmerzt, lässt sich nicht aus der Ferne beurteilen. Ob es erhalten werden kann oder ob ein Neustart sinnvoller ist, zeigt erst die Untersuchung mit Röntgenbild. Wenn Sie eine zweite Meinung zu Ihrem Implantat möchten, finden Sie Informationen zu unserem Vorgehen auf der Seite Explantation.

Zahnarzt · Ästhetische Zahnmedizin, Implantologie
Norman Jacob ist Zahnarzt für ästhetische Zahnmedizin und Implantologie bei Spree Ecke Havel in Berlin-Spandau. Die oralchirurgischen Eingriffe führt das Team um Fachzahnarzt Dr. Ulrich Jacob durch.
Dieser Text ersetzt keine Untersuchung. Ob ein Implantat erhalten werden kann oder entfernt werden sollte, lässt sich erst nach Befund und Röntgenbild sagen.